Zu Besuch auf dem Antiquitäten- und Kuriositätenmarkt in Jelenia Góra
Am letzten September-Wochenende findet jedes Jahr der Antiquitäten- und Kuriositätenmarkt in Jelenia Góra (deutsch: Hirschberg) statt. Zusammen mit Alex bin ich häufiger in Polen und vor allem Jelenia Góra. Auch in den letzten Jahren sind wir an diesem Wochenende rüber gefahren um zu sehen, was angeboten wird.

Unsere Unterkunft
Noch während wir vor zwei Monaten in der Ukraine waren, hatten wir ein Zimmer in Schloss Wernersdorf gebucht. Dort kann man immer gut übernachten und hat dabei die Gewissheit, dass es einem an Nichts fehlen wird. Auf der anderen Seite sind wir recht einfache Gäste: Wenn ich ein Bett und eine Dusche habe, bin ich zufrieden. Wenn es dann auch noch gutes Essen und Cappuccino gibt, bin ich schon begeistert. Da der Markt nur an diesem Wochenende statt findet und wir nur von der Nacht von Freitag bis Samstauf auf Sonntag vor Ort bleiben, ist es auch gar kein Problem, wenn es mehr als 30 Euro die Nacht kostet.
Rechte AfD-Spinner auf Autobahnbrücken
Von Zuhause losgefahren waren wir Nachmittags. Vorher hatte ich noch ein paar Stunden gearbeitet. Als wir vor vierzehn Jahren das erste mal zu zweit nach Polen gefahren waren, ohne vorher jemandem bescheid zu geben, dachte ich schon ab Höhe Magdeburg, dass wir quasi schon in Polen seien. Einfach nur auf Grund der Tatsache, dass ich am Rastplatz mehrere Leute hörte, die Polnisch sprachen. Daran muss ich fast jedes mal zurück denken, wenn ich die ehemalige innerdeutsche Grenze passiere - so auch dieses mal.
Was dieses mal aber neu war: mindestens auf zwei Autobahnbrücken waren Blinklichter und riesige Deutschland- und AfD-Flaggen zu sehen. Im Internet hatte ich Bilder von vereinzelten Spinnern gesehen, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als sich auf Autobahnbrücken zu setzen und zu nerven. Allerdings hatte ich das bis jetzt für einen Witz gehalten. Ich dachte, das sei einmalig passiert. Aber auch jetzt waren diese Spinner da oben. Mein erster Impuls war es zu hupen. Aber noch bevor ich Lärm machte, konnte ich mich selbst bremsen. Diese Idioten würden das schließlich noch als Zustimmung interpretieren. Ich bemerkte solche verwirrten Menschen an zwei Brücken und beide male ärgerte ich mich noch minuten lang über sie. Was für peinliche Aktionen.
Die Ruhe vor dem Sturm
Wir erlaubten uns den Luxus, recht lange auszuschlafen. Häufig fahren wir auf unseren Reisen viel, wodurch wir meistens nur eine Nacht in Hotels verbringen und zum Checkout pünktlich alles geräumt haben müssen. Da wir zwei Nächte hier waren, machten wir uns einen gemütlichen Vormittag. Nachdem wir den ersten Cappuccino getrunken hatten, setzten wir uns ins Auto um uns die Gegend anzusehen. Inzwischen war ich so häufig hier, dass ich weiß, welche Städte in welcher Richtung liegen und kann mich orientieren. Es ist ein lustiges Gefühl, knapp 800 Kilometer weit weg von Zuhause zu sein, und sich trotzdem einigermaßen auszukennen. Das Wetter war auf unserer Seite und ich schoss einige Fotos. Nur um am nächsten Morgen fest zu stellen, dass ich den Film nicht korrekt eingelegt hatte und ich knapp 40 Fotos auf der selben Stelle des Films gemacht hatte. Das war echt ärgerlich. Aber immerhin habe ich anschließend noch einige Bilder gemacht. Ich freue mich schon darauf, in einigen Wochen die entwickelten Fotos zu sehen.

Erste Eindrücke vom Markt
Zu meiner Überraschung fanden wir einen Parkplatz nur 500 Meter von der Fußgängerzone entfernt - das war wirklich praktisch! Schon einige Kilometer vorher war mir aufgefallen, wie viele Leute auf den Straßen unterwegs waren. Nicht wenige schienen den Besuch auf dem Markt mit einem ganzen Tagesmarsch zu verbinden. Im Kern von jelenia Góra befindet sich ein großer Marktplatz. Er ist umringt von bunten historischen Häusern. In der Mitte befindet sich das große Rathaus mit vielen Verzierungen. Jetzt allerdings lag der Fokus komplett auf dem, was sich auf dem Platz abspielte: Hunderte Menschen drängelten sich durch Gassen, die sich zwischen den Ständen bildeten. Vielerorts war Porzelan in allen Farben und Formen zu sehen. Dazwischen alte Möbel, Standuhren, Gewehre und immer wieder Kisten, in denen abwechseln historische Münzen, Abzeichen oder anderer Kleinkram befand. Vielen Ständen sah man die Verkaufsstrategie sofort an: Man setzt darauf, dass alles auf dem sich Hakenkreuze, Abbildungen von Hitler oder sonstiger Nazi-Kram befindet Neugierde anzieht. Und dieser Plan scheint auch immer wieder aufzugehen.
Fasziniert war ich, als ein Stand nur aus kleinen, auf dem Boden liegenden Schächtelchen bestand, in denen sich 100 Jahre alte Türknöpfe, Türgriffe, Scharniere und andere Metallgegenstände befanden. Vermutlich besitzt der Verkäufer eine Metallsonde und versucht alles zu Geld zu machen, was sich finden lässt. Offensichtlich gibt es aber auch wirklich Leute, die her kommen und sich Jahrzehnte alte Türscharniere und co. kaufen.
Von Gewehren und Degen
An offen herumliegenden Waffen störte sich hier auch niemand. Ich persönlich sehe auch kein Problem damit, wenn dort alte Gewehre, Degen oder Messer offen herum liegen, aber dennoch erschlich mich immer wieder dieser Gedanke, wie verboten das alles in Deutschland sei. Beim Schlendern zwischen den Ständen erkannte ich an den beiläufigen Gesprächen schnell, dass ein Großteil der Besucher ebenfalls aus Deutschland kam. Keine wirkliche Überraschung, aber dennoch ganz spannend festzuhalten.
Eine Menge Kameras
Dieser Markt war es auch, auf dem ich vor einigen Jahren meine Schreibmaschine kaufte. Dieses mal ging es mir eher darum spannende Kameras zu finden. Tatsächlich gab es auch immer mal wieder einige, allerdings konnte mich keine Kamera in ihrem Zustand überzeugen, von mir gekauft zu werden. Ich sah auch Kameras, die keine wie heutzutage üblichen dreh-Objektive benutzten, sondern aufklappbar waren und daher über Ziehharmonika-Artige Objektive verfügten (siehe Foto). Da sich diese Kameras aber auch nicht einfach mit einem 35mm Film beladen lassen, waren diese Kameras für mich aber auch uninteressant - wenn auch sehr hübsch. Auch wenn ich ein großes Interesse an alten Kameras und analoger Fotografie habe, sehe ich mich nicht, die Chemikalien zu mischen und auf eine Foto-Glas-Platte auftragen um ein Foto zu schießen, welches direkt entwickelt wird.
Am Ende entschied ich mich dazu, keine Kamera zu kaufen. Natürlich wäre so ein altes Ding aus dekorativen Zwecken auch interessant für Zuhause, allerdings habe ich schon drei Kameras, die auch abwechselnd im Regal zur Show stehen. Da hätte ich keinen Platz für eine vierte, nicht funktionierende Kamera.
Münzen über Münzen
Einige Stände boten auch historische Münzen an. Diese waren meist in Sammelbücher eingelassen. So konnte man sich an einen Stand stellen und Minuten lang diese Bücher durchstöbern und war nach jedem Umblättern fasziniert. Da waren Złoty dabei, die ich vorher auch noch nicht gesehen hatte. Aber vor allem viele Deutsche Münzen. Aus der Region aber auch von weiter Weg. Einige Münzen aus Danzig oder ganz anderen Stellen in Europa waren dabei. Das führte einem noch mal vor Augen, wie weit einige dieser Münzen schon vor vielen hundert Jahren durch den Handel gekommen sein müssen.
Vor allem waren die Münzen aber auch ein spannendes Thema, da man ja weiß, welche Arten hier vor kommen und so einen Vergleich hat. Es ist ein interessantes Gefühl, dort fünfhundert Jahre alte Münzen zu finden, die aber auch bei uns Zuhause so im Boden liegen.
Rückreise
Nachdem wir ein paar Stunden über den Markt gegangen waren und den Eindruck hatten, alles gesehen zu haben, gingen wir noch bei Kobe essen, bevor wir uns zurück zogen. Am nächsten Mittag machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause, wo wir tatsächlich noch vor Mitternacht ankamen. Als wir vor zwei Monaten aus der Ukraine wieder kamen, war ich Montags um drei Uhr Zuhuase und durfte noch mal eine Stunde extra fahren, weil ich meinen Haustürschlüssel noch spontan verlegt hatte.
Auf der Fahrt durch Deutschland war in meinen Augen erstaunlich viel Verkehr und es fühlte sich gewohnt zäh an. Endlich Zuhuase angekommen zu sein, fühlte sich gut an. Ich freue mich trotzdem chon aufs nächste mal.
Wenn ihr Interesse an historischen Dingen seid, kann ich euch nur empfehlen, auch einmal zu so einem Markt nach Polen rüber zu fahren. Selbst wenn man dort nichts kauft, sammelt man viele Erfahrungen und sieht echt viel.
