Alle Wegen führen nach Kyjiw

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe an Berichten über unsere Ukraine-Reise 2026. Einige davon stammen auch von meinem Freund Alex, mit dem ich unterwegs war.

Wappen der Ukraine

Ukraine? Kann man denn da hin fahren, oder ist das nicht verboten?

Das ist eine der häufigst gestellten Fragen, die nach unseren Urlauben gestellt werden. Im Privaten sowie auch im Beruflichen Umfeld. Denn trotz tagtäglichen Horror­nachrichten, die man vor allem seit 2022 aus der Ukraine erhält, scheinen die Menschen um mich herum sehr interessiert an meinen persönlichen Erfahrungen und dem Land an sich zu sein.

Es ist egal, ob die Tankwarte an meiner Stammtankstelle oder Dirk mein langjähriger Arbeitskollege; Die Leute möchten hören, was dort passiert. Auch nach vier Jahren ist das Interesse, so meine Erfahrung, ungebrochen. Deshalb widmen wir uns in diesem Beitrag der Frage, wie kommt man überhaupt in die Ukraine? Spoiler: Nein, es ist nicht verboten.

Möglichkeiten um in die Ukraine zu reisen

Während der Flugverkehr auf Grund der Vollinvasion 2022 komplett zum erliegen gekommen ist, bleibt aktuell nur der Landweg. Ein Großteil der Logistik und des Personenverkehrs laufen weiterhin über die Schiene. Die Ein- und Ausreise mit dem Zug ist auch nach vier Jahren noch problemlos möglich. Die Ukrainische Bahn hat auf Grund der enormen Herausforderungen ihr Pensum in den letzten Jahren massiv gesteigert und ist so zur wichtigsten Lebensader des Landes geworden. Regelmäßig reisen auch ranghohe Politiker mit der Bahn nach Kyjiw zu Staatsbesuchen. Hier ist anzumerken, dass die Ukrainische Bahn trotz aller Widrigkeiten noch immer sehr pünktlich ist.

Aktuelles Beispiel dafür ist der am 24.08.2026 gefeierte Nationalfeiertag der Ukraine, zum 35 jährigen Bestehenden des Landes, versammelten sich hochrangige Vertreter aus aller Welt, darunter auch unser Außenminister Johann Wadephul, im Herzen von Kyjiw.

Außerdem kann man das Land mit dem Auto befahren. Das ist der Weg, für den wir uns bisher immer entschieden haben. Die Wartezeit kann dabei alles sein: Vielleicht hat man Glück und ist in einer Stunde durch, vielleicht hat man aber auch Pech und braucht mehr als einen halben Tag. Glücklicherweise ist kein Visum zur Einreise nötig und man kann einfach mit dem Reisepass die Grenze überqueren. Dass das einige Leute durch den noch immer laufenden Krieg überrascht, kann ich einerseits nachvollziehen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch keinen Grund, wieso das nicht möglich sein sollte.

Der längste Grenzübergang unserer Reisen

Als dieses Jahr die Grenze passieren wollten, kostete uns das wirklich sechseinhalb Stunden Zeit - unser bisheriger Rekord! Schon einige hundert Meter vor dem letzten Kreisverkehr staute sich der verkehr. Alle fünf Minuten kamen wir ein paar Meter weiter. Nach 45 Minuten fuhren wir durchs Tor an die Grentstation. Ein Soldat überreichte uns einen Zettel, auf dem wir in den folgenden zwei Stunden Stempel sammelten: Für die erfolgreiche Passkontrolle und anschließend die Kontrolle durch den Zoll. In der Regel wird bei letzterem der Wagen und die Koffer durchsucht. Um die Reise bei den Temperaturen besser zu überstehen, hatten wir einen Kühlschrank für unsere Getränke uns Snacks auf der Rücksitzbank. Da die Einfuhr von Lebensmitteln in die EU aber beispielsweise verboten ist, entleerten wir den Kühlschrank noch spontan. Schließlich hatten wir kein Interesse daran, die Grenzkontrollen unnötig weit in die Länge zu ziehen. Nach weiteren zwanzig Minuten Stop and go erreichten wir den letzten Soldaten diesseits der Grenze, dem wir den vollgestempelten Zettel in die Hand drückten, woraufhin wir den Grenzposten durch ein Tor verlassen konnten. Und das alles, geschah nur auf einer Seite der Grenze, denn nun standen wir im Niemandsland und warteten wie alle anderen darauf, dass nun die Einreise beginnt. Wir merkten, dass die Ursache für die langsame Geschwindigkeit auf dieser Seite der Grenze lag: Die Kontrolle der Einreisenden erfolgte extra gründlich. Trotz der Klimaanlage im Auto spürten wir die 36° von draußen. So wie die anderen, stellten wir uns nach einiger Zeit auch nach draußen. Als wir an der Reihe waren, ging die Passkontrolle ganz schnell. Eine Soldatin sah noch schnell in unseren Wagen und die Koffer und winkte uns durch. Endlich!

Zu früh gefreut! Als wir dachten, den Grenzposten endlich verlassen zu können, kam ein weiterer Soldat auf uns zu. Er bat uns, mit dem Auto in eines der nebenstehenden Gebäude zu fahren. Dort durchsuchten zwei von ihnen das Fahrzeug. Für unsere ukrainischen Freunde in Münster hatten wir ein Geschenk von der (Schwieger-)Mutter in Charkiw mit genommen, was für kurzzeitiges Interesse sorgte. Aber nach zehn Minuten wünschten uns die beiden Soldaten noch einen schönen Tag und wir konnten den Grenzposten endlich verlassen.

Bei Vollmond über den Fluss fahren und dabei Ländergrenzen überqueren.

Einreise durch Moldau

Wie letztes mal berichtet, sind wie dieses mal auch über Moldau in die Ukraine eingereist. Spät Abends, nachdem wir von Frontex angehalten wurden, sind wir über einen kleinen Grenzübergang nach Moldau eingereist. Erfreulicherweise waren wir neben dem Personal die einzigen Personen dort. Daher dauerte unsere Einfahrt nach Moldau knapp zehn Minuten. Die Besonderheit hier war, dass wir auf dem Weg vom Grenzposten der Ausreise hin zum Grenzposten der Einreise über einen Fluss fuhren. Aber nicht etwa über eine normale Brücke, sondern über improvisierte Pontonbrücke - Also direkt auf dem Wasser des Flusses. Wir merktern gar nicht, dass wir im Niemandsland ein Ufer überquerten, wunderten uns aber, dass das Auto plötzlich laut knallende Geräusche von sich gab. Jeden Meter befuhren die Autoreifen das nächste schwimmende Segment der Brücke, woraufhin ein Knall ertönte. Auf der Mitte des Flusses blieben wir kurz stehen, kriegten uns gar nicht mehr ein vor Lachen und bewunderten den Vollmond, der sich im Wasser, knapp einen Meter neben uns, spiegelte. Auf der moldauischen Seite gab es eine recht lasche Kontrolle. Als wir gefragt wurden, ob dies unser erstes mal im Land sei, freute ich (Marius) mich, als ich dem Grenzbeamten erwidern konnte, dass wir vor zehn Jahren schon mal da waren. Das war einer der entspanntesten Grenzübergänge unserer Reisen.

So ergab es sich, dass wir in einem Urlaub beide Extreme bezüglich der Grenz­überquerungs­dauer erlebten. Auch wenn die sechs Stunden bei 36°C sehr unangenehm waren, würden wir es doch jeder Zeit wieder in Kauf nehmen, um noch einmal in die Ukraine zu fahren.

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