Als wir von Frontex angehalten wurden
Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe an Berichten über unsere Ukraine-Reise 2026. Einige davon stammen auch von meinem Freund Alex, mit dem ich unterwegs war.
Polizeikontrollen sind nichts Ungewöhnliches
Vom Sonnenuntergang ist nicht mehr viel zu sehen und ein paar Straßenlaternen beleuchten die Straße vor uns, die durch einen kleinen Ort im Nordosten Rumäniens führt. Es sind nur noch wenige Kilometer bis zur EU-Außengrenze nach Moldau. In Deutschland haben Blitzer weitestgehend die Geschwindigkeitskontrollen automatisiert. Erst beim Reisen durch andere Länder fällt auf, dass die Geschwindigkeitskontrolle per Streifenwagen mit Laserhandmessgeräten die Norm ist. Mittlerweile ist das für uns auch kein ungewöhnlicher Anblick mehr. In der Regel ist auch alles in Ordnung und solange man nicht an ihnen vorbei rast, wird man auch nicht behelligt.

Abgesehen von dem Wagen hinter uns, habe ich seit einigen Minuten kein anderes Auto mehr gesehen. Irgendwann überholt uns das Fahrzeug. Von der Seite sehe ich einen blauen Streifen und irgendein Logo. Erst als es vor uns fährt, sehe ich, dass hinten Frontex drauf steht. Obwohl das irgendwie Sinn ergibt, hatte ich nicht damit gerechnet, die europäische Grenzwache zu sehen. Alex und ich sind überrascht. Vor zehn Jahren wurden wir zwar auch schon mal in einem bulgarischen Wald nahe der türkischen Grenze mitten in der Nacht von Grenzbeamten kontrolliert, aber irgendwie hatten wir Frontex bisher nur mit ihren Schiffen im Mittelmeer auf dem Zettel gehabt. Dennoch ist es natürlich absolut logisch, dass es auch Kontrollen auf dem Land gibt. Uns fiel auch direkt das polnische Nummernschild auf. Noch bevor wir uns aber über dieses kleine Detail der europäischen Zusammenarbeit amüsieren können, geht das Blaulicht an und wir werden langsamer.
Als wir an einer Kreuzung zum stehen kommen, beschleunigt das Frontex-Fahrzeug wieder und zieht davon. Am Straßenrand steht ein Streifenwagen der Polizei und ein Polizist mit Kelle bittet uns, rechts ran zu fahren. Die beiden Polizisten sind vermutlich in unserem Alter, rund um die dreißig Jahre. Ich gebe dem Beamten an meinem Fenster unsere Reisepässe und den Führerschein. Er fotografiert die Dokumente mit seinem Handy und kontrolliert unsere Daten. Die beiden Polizisten bemerken schnell, dass wir deutsche Staatsbürger sind und keine Flüchtlinge schmuggeln. Danach tauschen wir uns noch freundlich in wenigen Sätzen darüber aus, was zwei Deutsche so spät am Abend in dieser abgelegenen Gegend machen. Zwanzig Minuten später überqueren wir die Grenze nach Moldau über eine Pontonbrücke. Doch davon erzähle ich ein anderes Mal mehr.

Erfahrungen mit Polizeikontrollen
Meine Erfahrung bei Polizei Kontrollen ist eigentlich meist positiv - zumindest im Ausland. Anfangs manchmal etwas angespannt, weil keiner weiß, womit man es gerade zu tun hat. Aber sehr schnell wird klar, dass von uns weder eine Gefahr aus geht, noch wir irgendwas Verbotenes im Schilde führen. Ab dann sind die Gespräche (wenn sie zustande kommen) meist sehr nett. Gleiches gilt für Kontrollen an militärischen Checkpoints, von denen wir dieses mal allerdings nur eine Handvoll hatten.
Was mich hier aber wirklich faszinierte, war die Tatsache, dass die Frontex-Beamten uns mit Blaulicht ausgebremst hatten, die Kontrolle aber von der örtlichen Polizei durchführen lassen haben und selbst wieder weiter gefahren sind. Fast so, als hätten sie nicht die Befugnisse, uns selber zu kontrollieren. Am Ende macht das natürlich wenig Unterschied. Aber das bedeutet auch, dass die Frontex-Beamten uns ungefähr fünf Minuten lang hinterher gefahren sind, während sie vermutlich ein paar Background-Checks machten. Ihnen musste aber auch klar sein, dass wir nur kontrolliert werden würden, wenn wir ausgerechnet an der einen Kreuzung vorbeifahren würden.
