Weg von Snapchat

Auch wenn der digitale Unabhängigkeitstag schon über zwei Wochen her ist und es bis zum nächsten auch noch fast zwei Wochen sind, bin ich mal aus der Reihe getanzt und habe Snapchat von meinem Handy gelöscht. Der Account existiert noch, aber die App ist nicht mehr auf meinem Handy. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich es mir in einem schwachen Moment doch wieder installieren werde, ist im gegensatz zu allen anderen Nachrichten-Apps (z.B. Instagram) aber verschwindend gering - Ich habe Snapchat sowieso nie richtig verstanden.

Wozu braucht man Snapchat?

Diese Frage habe ich mir auch immer wieder gestellt. Man konnte Nachrichten, Fotos und Videos mit Freunden austauschen, aber das können eigentlich auch alle anderen Messenger. In der Anfangszeit war es revolutionär, dass der oder die Empfänger Bilder und Videos nur einmal ansehen konnten, oder Screenshots nicht möglich waren. Aber das ist alles von der Zeit (und all den anderen Apps) aufgeholt worden.

Alle Freunde auf einer Karte

Irgendwann kam die sogenannte Snap Map hinzu, auf der die Standorte all deiner Freunde auf der Welt zu sehen sind. Aus meiner Sicht kein Argument, das für Snapchat spricht. Man kann dort “als Geist” zwar seinen Standort auch nicht mit den anderen Teilen, aber um wirklich sicher zu gehen, habe ich der App einfach die Berechtigung entzogen, auf den Standort zuzugreifen. Das führt aber nur dazu, dass bei jedem Öffnen darum gebeten wird, auf den Standort zugreifen zu dürfen - Fast ein Ausdauersport.

Boulevard auf unterstem Niveau

Ungefähr zu der Zeit kam auch ein neuer Bereich hinzu, in dem einem Beiträge anderer Vorgeschlagen werden. Für mich war der Teil absoluter Schmutz. Dort präsentierte Inhalte sind so flach, dass sogar die Titel-Stories der Illustrierten tiefgründig wirken. Oft schien das Prinzip auch zu sein “Sex sells”. Hinzu kamen fast täglich irgendwelche Freundschaftsanfragen von Personen (oder eher Bots) die man nicht kennt. Wenn mann sich dann die Mühe macht, diese Person anzunehmen und zu fragen, woher man sich denn kenne, kamen nicht selten irgendwelche unseriösen Verkäufer.

Nichts für Kinder

Was ich am Schlimmsten an der ganzen App finde, ist dass es sich eigentlich primär an Kinder bzw. Jugendliche richtet. Hätte ich Kinder, würde ich nicht wollen, dass sie dort unterwegs sind. Da kann man sich also die Frage stellen, wieso ich eigentlich Snapchat hatte.

Meine Nutzung

Als ich mir Snapchat damals heruntergeladen habe, das muss so 2014 gewesen sein, gab es all diesen Müll noch nicht. Das Ansehen der App war eher durchwachsen, war meine Vermutung doch, dass die meisten Nutzer nur die “Bild nur einmalig ansehen”-Funktion für Schweinereien einsetzten. Mit der Zeit bekam ich aber immer wieder davon mit, wie Leute in meinem Umfeld sich gegenseitig die sogenannten Snaps schickten. Zum größten Teil waren das Selfies, über die lustige Filter gelegt waren. Einer der meist genutzten Filter war wohl der, bei dem Hundeohren hinzugefügt wurden. Aus heutiger Sicht ist das alles eher peinlich gewesen, aber damals waren die Zeiten halt so. Da sich alles gewandelt hat, werden diese Selfies inzwischen auch eher selten versendet. Oftmals plärrt das Handy nach Aufmerksamkeit, man klickt aufs Icon und sieht belanglose und verwischte Bilder vom Fußboden mit dadrüber gelegtem noch belangloserem Text. Durch meinen Bruder erfuhr ich, dass heutzutage nur noch der Text “RS”, was wohl für Resnap oder so steht versendet wird. Dies ist der Gipfel der Verblödung. Es geht nicht mhr länger darum, mit anderen zu kommunizieren, sondern nur noch darum, in der App aktiv zu sein, damit die Flammen nicht aus gehen. Diese Flammen erscheinen, wenn sich Leute täglich Bilder oder Videos schicken. Vergisst man das einen Tag, verschwinden diese Flammen. Wen das stört, kann gegen echtes Geld Flammen entfachen und so tun, als sei nichts gewesen. Das ist inhaltsleer und die Krönung des ausgenommen werden.

Das also, ist mein Bild von Snapchat. Mein Abgang fällt mir also nicht wirklich schwer. Die wenigen Leute, zu denen ich über die App Kontakt hielt, schreiben mir nun auf Whatsapp, Telegram oder Mastodon. Auch hier kann ich euch also nur raten: Werft Snapchat vom Handy. Wenn eure Kinder es auf dem Handy installiert haben, versucht es da am Besten auch direkt zu löschen - allerdings glaube ich, dass das ein wenig mehr Überzeugungsarbeit bedürfen wird.