Mein neues Hobby Meshtastic
Vor über zwei Jahren habe ich mein erstes Funkgerät gekauft und einige Monate später schrieb ich über den CB-Funk. Daher kenne ich auch die Namen einiger Funker aus den Nachbarorten und habe den ein oder anderen von ihnen auch schon mal getroffen. Leider wohne ich in einem Tal, weswegen ich häufig die Antenne aufs Autodach packe und zu besser gelegeneren Orten fahre. Schließlich kann ich nur mit Leuten funken, die sich auch in meinem Empfangskreis befinden.
Erhöhte Reichweite dank des Meshs
Bei Meshtastic ist das etwas anders: Ein grundlegender Unterschied ist, dass es keinen Sprechfunk bietet, sondern die Möglichkeit, Textnachrichten per Funk auszutauschen. Direkt per Funk, ohne auf das Internet angewiesen zu sein. Die auf den Funkgeräten installierte Firmware ist dabei in der Lage, empfangene Nachrichten weiterzusenden. So können nicht nur Personen in deiner unmittelbaren Reichweite, sondern auch die Nachbarn der Nachbarn der Nachbarn deine Nachrichten empfangen. Im konkreten Fall von Meshtastic ist das Weiterleiten begrenzt, kann aber auf bis zu sieben Weiterleitungen eingestellt werden. Mit der Standardeinstellung von drei Sprüngen (Hops) komme ich aber auch schon von Laer bis nach Unna.

Die Funkgeräte
Auch wenn die technisch korrekte Bezeichnung Funkgerät ist, vermittelt das Wort einen etwas falschen Eindruck davon, was es eigentlich ist. Die Firmware von Meshtastic läuft auf einer Vielzahl von Mikrocontrollern. Ich persönlich habe mir ein paar Heltec V3 mit LoRa-Fähigkeit besorgt. Denn am Ende werden die Nachrichten auch per LoRa versendet. Es gibt alternative Geräte, die minimal mehr kosten, aber noch Energie effizienter sind, was vor allem dann spannend wird, wenn man möglichst autark laufende und von Solarpanelen betriebene Knoten (=Nodes) betreiben möchte.
Ich versah meinen Heltec V3 noch mit einem TP4056-Modul, einem 18650 Lithium-Akku und einem Kippschalter, sodass ich das ganze Zeug in ein kleines Elektriker-Kästchen stopfen konnte, das recht wasserdicht ist. Oben guckt nun eine ca. 20 cm lange Antenne raus und über den Kippschalter vorne kann ich den Node einfach an und aus schalten. Auf Kleinanzeigen hatte ich neulich das Glück, 20 18650 Lithium Zellen für insgesamt 20 Euro zu bekommen. Daher konnte ich meine Knoten auch mit Akkus guter Kapazitäten ausstatten.
Einen meiner Nodes stattete ich zusätzlich mit einem BMP280-Sensor aus, wodurch dieser nun die Temperatur und den Luftdruck ermitteln und senden kann. Es gibt eine lange Liste von Sensoren, die mit den Geräten kompatibel sind. Außerdem kann man es per UART auch mit einem Arduino oder sonst etwas steuern, wenn man das möchte.
Man funkt nicht allein
Einige Tage spielte ich mit meinem ersten Node herum, konnte aber niemanden empfangen. Zuerst dachte ich, ich würde etwas grundlegend falsch machen. Aber zum Glück gibt es online eine Menge Dokumentation zu dem Thema. Mit meinem zweiten Node konnte ich dann einige Tests mehr machen - Vor allem Reichweiten-Tests. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass ich tatsächlich auch mehrere Kilometer weit senden konnte. Da ich in der App noch keine anderen Knoten gesehen hatte, ging ich auch davon aus, dass mein Node nicht gut platziert sei. Ich hatte ihn mit einer Schraubzwinge von außen am französischen Balkon befestigt.
Im Internet fand ich Karten für das Münsterland und das Tecklenburger Land. Generell gibt es eine vergleichsweise große Menge an deutschen Communities zu dem Thema. Schnell wurde mir klar, dass Münster mit Funkern überlaufen war, im Umland aber noch nicht viel existierte. Im Matrix-Chat fand ich einige der anderen Funker und erfuhr, dass im Nachbarort (Horstmar) ein weiterer Node geplant war. Inzwischen läuft der Node dort und dient mir als Weg nach draußen. Ich sehe nun Nodes in ganz Westfalen.
Ich muss zugeben, dass ein großer Teil der Nachrichten dort Begrüßungen und Reichweiten-Tests sind, zwischendurch gibt es aber auch ganz nette Gespräche. Die ganze Sache ist noch recht wackelig: Beispielsweise läuft die App bei mir hin und wieder recht instabil oder Nachrichten erreichen den gewünschten Empfänger nicht immer, weil es kein festes Routing gibt.
Ein Wort zu MeshCore
An dieser Stelle kann ich einmal erwähnen, dass es neben Meshtastic auch noch die Alternative MeshCore gibt, welches sehr ähnlich läuft, allerdings doch einige wichtige Unterschiede hat: Nachrichten können bis zu 64 Hops weit gelangen und Routen können statisch hinterlegt werden, sodass Nachrichten immer dieselbe Route nehmen. Tatsächlich habe ich auch einen MeshCore-Node aufgesetzt und damit auch nette Resultate erreicht (Nachrichten bis/aus Holland oder auch Hessen sind kein Problem). Online habe ich schon häufiger den Eindruck gehabt, dass es nicht gerne gesehen ist, in der einen Community über das jeweils andere System zu sprechen, aber das soll mir egal sein. Ich habe beides ausprobiert und bin tatsächlich aktiver bei Meshtastic. Wenn du mich aber nun fragen würdest, wieso das so ist: Vermutlich nur, weil ich mir einen mobilen Node gebaut habe, den ich im Auto meistens dabei habe - und dieser Node ist nun mal für Meshtastic - unterwältigend, ich weiß. In Zukunft werde ich auch weiterhin zweigleisig unterwegs sein.
Spielereien
Ich habe Gefallen daran gefunden, die anderen Funker auf der Karte zu finden und mit ihnen zu schreiben. Es hat immer etwas von einer Schnitzeljagd. Neulich war ich auf der Aussichtsplattform am Turm auf dem Schöppinger Berg. Ohne Schal und Handschuhe war es dort oben wirklich ungesund kalt und windig, dank meiner Schraubzwinge konnte ich den Node dort aber temporär montieren und mein Handy von unten verbinden. Von der Position kam ich problemlos nach Enschede, aber auch ins Ruhrgebiet. Vermutlich werde ich dort noch ein paar mal vorbeifahren für meine Tests.
Das ist wieder ein krude zusammen gewürfelter Beitrag. Aber ich wollte schon seit langem etwas zu dem Thema schreiben, weil ich mich inzwischen schon drei Monate damit beschäftige und es bisher noch immer nicht langweilig geworden ist. Vielleicht werde ich in Zukunft noch einmal ein FollowUp dazu geben.
Achja: Besorg’ dir auch einen Meshtastic fähiges Gerät und probier dich auch mal aus.