Komplett isolierte PeerTube Instanz

Neulich habe ich mir eine eigene PeerTube Instanz eingerichtet. Mein erster Akt war es, Inhalte in Form meiner bisherigen YouTube-Videos dort hochzuladen. Sozusagen als Fallback und Alternative zu YouTube. Abgesehen von meinem Blog gab es auch keine Verweise auf die Instanz, wodurch ich auch der einzige Traffic-Verursacher war.

Mein Problem

Direkt nach dem Upload meiner Videos wollte ich mir ein paar andere PeerTube Kanäle suchen, denen ich folgen kann. Eigentlich gibt es dafür das entfernte Abonnieren. Dabei gibt man seinen Fediverse-Spezifischen User Handle an (user@hoster.tld) und wird anschließend auf die Seite des jeweiligen Kanals innerhalb der eigenen Instanz weiter geleitet und kann dort dann auch den Kanal abonnieren. Als ich das ausprobierte, erhielt ich immer wieder Fehlermeldungen. Erst kamen Selbstzweifel, da man ja selber neu im Thema war und bestimmt nur etwas übersah. Eingige Tage lang passierte gar nichts, bis ich auf die Idee kam, einen Blick in die Server Protokolle zu werfen.

Container braucht Netzwerk-Zugriff

Dort bemerkte ich eine Reihe an Meldungen, weil irgendwelche entfernten Resourcen nicht gefunden werden konnten. Kurzzeitig hatte ich den Verdacht, die anderen Instanzen hätten dort Fehler gemacht. Dann dachte ich mir aber, dass wohl kaum ALLE ANDEREN Fehler machen würden. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mein PeerTube läuft gedockert und der Container konnte keine Requestes nach draußen stellen. Eigentlich ein typisches Problem, das mir in Verbindung mit Docker Container nicht zum ersten mal untergekommen war.

Meine Lösung, die sicherlich nicht die schönste, aber eine Praktikable war: Die Namensauflösung schlug fehl, also trug ich in der docker-compose.yml für den eigentlichen PeerTube Service die korrekte DNS-IP an:

service:
  peertube:
    dns:
      - 192.168.178.1

Wer schon einmal etwas mit Netzwerken zu tun hatte sieht: Ich habe einfach die IP-Adresse meiner Fritz-Box angegeben, da sie auch der DNS-Server in meinem lokalen Netzwerk ist. Kurz überlegte ich, stattdessen die IP-Adresse meines Pi-Holes einzutragen, verwaf diese Idee aber schnell wieder, da es mir keine Vorteile bringen, der ganzen Sache aber eine weitere Abhängigkeit geben würde. Nachdem ich die Container einmal aktualisierte, konnte PeerTube Requests in die Welt schicken.

Ein ganz anderes PeerTube-Erlebnis

Ich war direkt in der Lage, den interessanten PeerTube Kanälen anderer Instanzen zu folgen. Außerdem ermöglichte es mir, dass ich komplette Instanzen zum Föderieren angeben konnte. In diesem Kontext bedeutet Föderation eine Gruppe von losen PeerTube Instanzen, die untereinander kommunizieren und beispielsweise die Videos der anderen Instanzen anzeigen. Nun kann ich in der Suchleiste meiner Instanz nach Schlagworten suchen und erhalte dazu passende Videos, die nicht von mir kommen. Ich muss zugeben, dass es zum aktuellen Zeitpunkt noch recht krude aussieht und ich als nächstes etwas Ordnung darein bekommen muss, aber prinzipiell funktioniert es wieder.

Seit der Korrektur meiner Konfiguration ist das PeerTube Erlebnis auch noch mal ein ganz anderes geworden. Natürlich ist es noch immer kein Vergleich zu YouTube, aber das muss es ja auch noch nicht direkt. Außerdem weiß ich in diesem Fall, dass mich der Großteil der vorgeschlagenen Videos interessiert werden. Ein Doomscrolling wie auf den anderen Plattformen ist damit wesentlich unwahrscheinlicher.

Einfach nur um die Auffindbarkeit zu steigern, verlinke ich euch noch einmal meine PeerTube Instanz. Vergesst beim Besuchen nicht, dass ich den Server Nachts ausschalte - old school.