Jetzt komplett im Fediverse

Für mich begann alles mit Mastodon

Schon vor mehr als drei Jahren habe ich meine eigene Mastodon-Instanz aufgesetzt. Damals tat ich mich noch sehr schwer damit, weil es doch einige größere Unterschiede zu allem hatte, was ich bis dahin kannte. Mit der Zeit gab es immer mehr gute Gründe, Twitter und co. zu verlassen. Mehrfach hatte ich gehört, dass Mastodon ein Teil vom Fediverse sei - konnte das aber inhaltlich gar nicht so richtig zuordnen. Auch wenn die Interoperabilität aus meiner Sicht schon immer ein riesiger Vorteil war.

Vor allem in den vergangenen sechs Monaten habe ich mir die App auf meinem Handy und Tuba auf den Computern installiert. Dadurch stieg meine Nutzung sprunghaft an. Es dauerte anfangs einige Zeit, bis ich folgewertige Accounts fand. Hat man sich seine Bubble aber erst einmal eingerichtet, macht es echt Spaß. Was aber das Fediverse wirklich ausmacht, sollte ich erst danach lernen.

Der Digitale Unabhängigkeitstag

Als zum Jahreswechsel dann der 39C3 statt fand, erfuhr ich vom digitalen Unabhängigkeitstag, der mir sofort gefiel und mich überzeugte mitzumachen. Auf Snapchat konnte ich ersatzlos verzichten. Aber nachdem ich Instagram ebenfalls von meinem Handy geworfen hatte, hatte ich doch das Bedürfnis, eine Plattform zu haben, auf der ich meine Bilder teilen kann. Auf Instagram veröffentlichte ich sehr wenige Bilder, vielleicht einmal jährlich. Allerdings hatte ich auch immer einen zweiten Account für meine Fotografie betrieben, auf dem zumindest fast monatlich neue Posts erschienen.

Pixelfed für meine Fotos

Vor zwei Wochen las ich bei Robert im Blog, dass er bereits einen Schritt weiter ist als ich und mit der Konsolidierung beschäftigt ist. Auch wenn er für sich entschieden hatte, dass er Pixelfed nicht weiter betreiben wird, wurde ich so überhaupt erst auf Pixelfed aufmerksam.

Entgegen meines sonstigen Drangs, alles selber zu hosten, registrierte ich mich auf einem bestehenden Server. Schließlich wollte ich mich erst mal umsehen und meine ersten Schritte machen. Ein berechtigter Kritikpunkt am Fediverse ist häufig, dass die Dezentralität zwar gut sei, daraus aber resultiere, dass man ja gar nicht wisse, welche Instanzen es gibt und auf welcher man sich anmelden sollte. Das ist aus meiner Sicht korrekt, allerdings mag ich es, dass ich mich aktiv umsehen und für eine Instanz entscheiden muss, wodurch ich mich ganz anders und viel bewusster mit der Materie auseinander setze. Dass sich da aber nicht jeder so drüber freut, kann ich auch absolut nachvollziehen. Nach nur zwanzig Minuten hatte ich pixel.tchncs.de gefunden, und mir dort einen neuen Account angelegt.

Ich lud einige Fotos hoch, die ich auch schon mal bei Instagram hochgeladen hatte. Aktuell ist in meinen Posts noch keine Struktur zu erkennen - aber das spiegelt mich eigentlich ganz gut wieder. Was mir direkt auffiel: Es ist viel ruhiger. Keine unnötigen Benachrichtigungen oder um Aufmerksamkeit buhlende Posts. Ein Klick auf Entdecken zeigte mir die Beiträge anderer Instanz-Nutzer. Ich war begeistert: Viel echt gute Fotografie, an die ich selber noch lange nicht heran komme. Was für Posts man beim Entdecken wirklich findet, ist natürlich sehr abhängig von der Instanz und Föderation, für die man sich entscheidet, aber da schien ich ein gutes Händchen gehabt zu haben.

Bei meinen Posts konnte ich Personen markieren, Orte angeben und auch Alternativtexte angeben - so wie ich es als Entwickler mag. Bei der Ortsangabe hatte ich erst Schwierigkeiten, weil einige Orte schwer zu finden waren. Gerade die Ukrainischen Ortsnamen werden nur gefunden, wenn man sie auf Englisch angibt. Als ich mich selber markieren wollte, wurden mir auch wieder die Vorteile vom Fediverse klar: Aus gewohnheit hatte ich dort überall meinen Mastodon-Handle eingegeben, der auch anstandslos gefunden wurde. Erst später merkte ich, dass ich gar nicht meinen Pixelfed-Handle angab. Und dann entschied ich mich dazu, dass es mir auch egal sei. Ich freute mich einfach darüber, dass das möglich war.

PeerTube zum Abschluss

Vor zwei Wochen entschied ich mich dann dazu, eine eigene PeerTube-Instanz aufzusetzen. Ich war überrascht, dass ich in nicht mal einer Stunde ein funktionierendes System eingerichtet hatte. Also abgesehen von einem kleinen Detail, das ich dann aber eine Woche später korrigierte. Hier fand ich schnell einige Kanäle, die ich schon von YouTube kannte (z.B. Veronica Explains oder auch c’t 3003) und abonnierte sie. Meine alten YouTube-Videos habe ich dort auch bereits hochgeladen.

Hoffentlich folgen auch andere

Leider hat keiner in meinem persönlichen Umfeld (soweit ich weiß) einen Account im Fediverse. Gestern habe ich daher den Link zu meinem Pixelfed-Account in meiner WhatsApp-Story geteilt. Ein Feature, welches ich eigentlich zu umgehen versuche. Aber die Leute mit denen ich schreibe haben so die Möglichkeit, dort regelmäßig vorbei zu gucken, ob es etwas Neues von mir gibt. Das Letzte, was ich tun möchte ist, alle persönlich anschreiben und fürs Fediverse zu missionieren. Das wäre wohl einer der schnellsten Wege, sich unbeliebt zu machen. Ich bezweifle, dass jemand in meinem persönlichen Umfeld dadurch umsteigen wird. Aber immerhin wird das Fediverse dadurch auch nach außen sichtbar, ohne direkt zu viel zu fordern. Ich würde ja auch gerne argumentieren, dass mir meine Bekannten auf Pixelfed per RSS folgen könnten und sich nicht einmal einen Account erstellen müssten - aber ich befürchte, das ist kein gültiges Argument in dem Zusammenhang.

Fazit

In keinem Fall würde ich behaupten, das Fediverse ist ausschließlich gut und super einfach zu verstehen - denn das ist es nun mal nicht. Aber ich sehe all die Vorteile, die es mit sich bringt und kann für mich behaupten, dass es mir den Umstieg wert ist. Gerade durch den digitalen Unabhängigkeitstag sehe ich da ein sehr großes Potential.


Ich habe die Gelegenheit übrigens auch genutzt, den Link zu meinem alten Instagram-Profil durch das neue Pixelfed-Profil auszutauschen.