Wie das Internet eigentlich sein sollte - Oder: Das Indie-Web

Gerne denke ich an meine ersten Erfahrungen mit dem Internet zurück. Zum ersten mal war ich damals 2004 mehr oder weniger beaufsichtigt im Internet unterwegs. Für die Schülerzeitung versuchte ich ein paar Informationen zu ein paar Themen zu finden und Google war für mich noch Neuland.

Wenn ich daran zurück denke, fällt mir vor allem auf, was sich alles seit dem verändert hat. In mehr als zwanzig Jahren eigentlich wenig überraschend. Es ist auch gut, dass das Internet nicht mehr so ist wie damals. Dennoch verspüre ich gelegentlich eine gewisse Sehnsucht. Nicht, weil damals etwa alles besser war, sondern eher, weil ich das Gefühl habe, dass es freier war.

Fragt man heute die Leute auf der Straße, wird jeder angeben,das Internet mindestens regelmäßig zu nutzen. Dennoch stelle ich die These auf, dass der Großteil dieser Leute ihre Platt-Formen wie TikTok, Instagram, Facebook, Reddit und co. Nur selten bis nie verlassen. Das Höchste der Gefühle ist dann oft der Weg über Google, gerne auch, in dem man nach Google googlet. Auf meiner Seite löst das gerne ein hochnäsiges Schmunzeln aus, aber eigentlich zeigt dieses Verhalten ein ganz anderes Problem: Das Wissen darüber, wie das Internet eigentlich funktioniert, geht immer weiter zurück. Vermutlich haben die wenigsten TikTok-Nutzer in den letzten Wochen einen Blog oder andere Seiten im Internet außerhalb der Plattformen besucht. Damit könnte ich natürlich auch komplett falsch liegen,denn sicherlich wird es auch viele Personen geben, die alles wild durcheinander nutzen, auf den Großteil wird es aber sicherlich dennoch zutreffen, Das finde ich wirklich schade, denn da draußen ist so viel mehr.

Gerne verweise ich an dieser Stelle natürlich auf das Fediverse, allerdings sind Pixelfed, Mastodon und co., aber natürlich auch nur weitere Plattformen. Einer der Schlüssel könnte vielleicht in Webringen liegen. Wie ihr sehen könnt, gehöre ich selber keinem an, aber die Idee gefällt mir eigentlich schon sehr. Denn in der Theorie fällt dadurch die Suchmaschine weg, da man von Seite zu Seite geführt wird und auch zufällige Inhalte gezeigt bekommt. Das ist einer der Wege, um sich durch das sogenannte Indie-Web zu bewegen. Ganz ohne die Abhängigkeit von großen Internet-Konzernen. Das Thema ist ein riesiger Kaninchenbau in dem man sich verlieren kann.

Mir ist klar, dass über das Bloggen zu bloggen eigentlich nie eine gute Idee ist. Aber an dieser Stelle sehe ich darin wirklich eine Lösung. Wobei es nicht einmal klassische Blogs sein müssen. Der wirkliche Spaß im Internet kommt doch aber erst, wenn man sich eine eigene Domain holt, und dort macht, was man will. Einerseits kann man so perfekt seine ach so wichtigen Nachrichten in die Welt posaunen, die man ansonsten auf Facebook teilen würde, zum Anderen kann man aber auch einfach Bilder veröffentlichen, wie man es von Instagram kennt. Der Reiz besteht doch darin, dass man posten kann, was man möchte und dabei die absolute Freiheit hat. Du hast keine Lust, etwas im herkömmlichen Sinne zu posten? Dann bau dir eine Webseite mit einem Gästebuch, oder anderen unnötigen Spielereien. Der Fantasie sind an der Stelle (fast) keine Grenzen gesetzt. Das sieht dann gerne mal schrill und unübersichtlich aus, aber vielleicht besteht ja gerade da drin der Charme. Dank RSS könnten Interessierte das ganze dann auch noch abonnieren. Leider lebe ich, was diese Vorstellung angeht,mit diesem Gedanken in einer Utopie. Aber es muss ja auch kein radikaler und globaler Wechsel sein - das will ich auch gar nicht.

Es würde mich freuen, hin und wieder neue schrille und kitschige Experimente zu sehen. Der Aufwand lohnt sich eigentlich immer. Und wenn nicht, erzähl einfach keinem von deinem gescheiterten Experiment.