Digitaler Unabhängigkeitstag

Durchgestrichenes Instagram-Logo von dem aus Pfeile auf ein Mastodon- und Fediverse-Logo zeigen
Instagram ist dem Fediverse gewichen

Der CCC ist ansteckend

Zwischen den Jahren hat der 39c3 (Power Cycles) vom CCC statt gefunden. Inzwischen ist es eine nette Tradition geworden, dass ich mir die interessantesten Vorträge anschließend online ansehe. Zum aktuellen Zeitpunkt habe ich erst Zeit für drei Vorträge gefunden. Es ist kaum zu übersehen, dass der Schwerpunkt dieses Jahr vor allem darauf lag, sich von Big Tech (vorwiegend übergroßen US-Konzernen) zu trennen und digital wirklich souverän zu werden. Mal geht es um die technischen, dann aber auch um die gesellschaftlichen- und politischen Aspekte. Sehr interessant.

Für mich persönlich ist das Wasser auf die Mühlen. Wobei ich zugeben muss, mich bisher selber nicht genug davon gelöst zu haben. Als ich neulich sah, wie viel Bildschirmzeit ich auf Instagram verbringe, konnte ich es fast noch glauben. Abgesehen von den dort genannten Punkten merke ich, dass mir das auch persönlich gar nicht gut tut, dort so viel Zeit zu verschwenden. In der Vergangenheit habe ich schon einmal darüber geschrieben. Der 39c3 war Auslöser für eine erneute Phase der Achtsamkeit im Internet für mich. Das kommt bei mir immer in Wellen unterschiedlicher Dauer.

Speziell wurde auch der Digitale Unabhängigkeitstag (aka DI-Day) für den ersten Sonntag eines jeden Monats ausgerufen. An diesen Tagen soll man sich damit beschäftigen, sich von großen Konzernen zu lösen und so deren teilweise Demokratie gefährdenden Möglichkeiten zu schmälern (im Idealfall komplett zu verhindern). Leider habe ich oft das Gefühl so zu klingen, als würde ich einen großen Komplott sehen. Auf der anderen Seite sehe ich nichts Schlechtes daran, anderen Plattformen Chancen zu geben.

Amazon Prime durch Jellyfin ersetzt

Zuerst hatte ich mir vorgenommen, klein anzufangen und mich von Amazon Prime zu lösen. Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, wie ich da rein geraten bin. Vor einigen Jahren hatte ich irgendwann bemerkt, dass Amazon einmal im Jahr 72 Euro abgebucht hatte. Erst dadurch wusste ich, dass ich Prime habe. Um ehrlich zu sein, fand ich es aber ganz praktisch, weil meine Bestellungen dadurch (vermutlich) schneller ankommen und ich mir häufiger das Porto sparen kann. Außerdem ist es immer praktisch gewesen, Sendungen und Filme online zu sehen, wenn diese nicht auf Netflix (schon länger gekündigt) waren.

Wie wir alle wissen, ist Amazon aber ein verachtenswertes Unternehmen, das man nicht unterstützen sollte. Außerdem wird es mir nicht weh tun, wenn meine Bestellungen mal nicht am nächsten Tag bei mir sind - da ich natürlich drauf achten werde, dort möglichst nichts zu kaufen. Speziell bei Serien besteht zudem auch das Problem, dass willkürlich Staffeln plötzlich Geld kosten - trotz Mitgliedschaft. Und das, obwohl der Rest der Serie doch schon in der Mitgliedschaft enthalten ist. Darum fiel es mir auch nicht sehr schwer, meine Amazon Prime Mitgliedschaft zu kündigen. Schon vor einigen Wochen habe ich eine Jellyfin-Instanz aufgesetzt, also eine auf meinem Server laufende Mediendatenbank - quasi mein eigenes Netflix oder Prime. Dort archiviere ich meine gesamte CD- und DVD-Sammlung, was länger dauert, als man meint. Nun habe ich alles auf DVD (gerade durch Secondhand sehr günstig) und meine Musik besitze ich auch noch als echte CDs - durch Jellyfin aber eben jederzeit von überall aus zugänglich. Von Spotify habe ich mich bisher aber noch nicht trennen können.

Nicht auf Wiedersehen Instagram

Doch nicht nur beim Streaming wollte ich mich lösen. Heute Mittag traf mich das Bedürfnis, mich von Instagram zu trennen plötzlich so stark, dass ich die App von meinem Handy gelöscht habe. Klar: der Account besteht noch weiterhin, wird aber nicht mehr benutzt. Den Account zu löschen ergibt leider nicht so viel Sinn, da sich jemand anderes meinen Nutzernamen schnappen könnte und Meta die Daten sowieso schon hat. Zu glauben, dass die Daten bei einer Account-Löschung wirklich gelöscht werden und nicht als KI-Trainingsdaten anonymisiert behalten werden, ist töricht.

Hoffentlich knicke ich nicht nach ein paar Tagen ein und installiere es mir doch wieder. Mir ist aber klar geworden, dass mich nichts davon abhält, meine Fotos auch einfach im offenen Fediverse auf Mastodon zu posten. Das ist sowieso viel cooler, weil ich damit die absolute Kontrolle über meine eigenen Daten habe und ich meine Mastodon-Posts auf alle Fedivers-Plattformen veröffentlichen kann. Jetzt muss ich nur noch anfangen Dinge zu posten.

Somit habe ich nun nur noch WhatsApp bei Meta. Vermutlich wird das eines Tages die größte Hürde sein, schließlich nutzen das all meine Kontakte. Die Hoffnung, dass meine Kontakte für mich zu Telegram oder Signal wechseln würden ist utopisch - zumindest aktuell. Wer weiß, was die Zukunft bringt.

Fazit

Ob und wie mir der Abschied von Amazon Prime und Instagram wirklich gelingt, wird die Zeit zeigen. Sicherlich werde ich euch da noch einmal ein Update nachreichen. Aktuell bin ich noch guter Dinge - wobei auch noch keine 24 Stunden seit der Deinstallation vergangen sind.

Natürlich kann ich euch nur empfehlen, ebenfalls mit zu machen. Es gibt sogar eine Webseite, die euch dabei mit Tipps unterstützen kann und einen dazugehörigen Vortrag vom 39c3. Denn gerade in Zeiten volatiler US-Politik, die sich auch stark gegen uns als Europäische Union richtet, ist es wichtiger als jemals zuvor, dass wir eigene Infrastruktur aufbauen, so dass wir keine Abhängigkeiten haben, die uns früher oder später auf die Füße fallen werden.