Katzenbabys

Autor: Marius Timmer

Nachdem unsere Katze Babys bekommen hat, habe ich eine Webcam und einen PC ans Internet angeschlossen, damit ich jeder Zeit sehen kann, was zuhause bei den Kleinen abgeht, wenn ich selber mal kurz zum Beispiel einkaufen oder einfach im Büro am Arbeiten bin. Außerdem habe ich den Link im Laufe der Zeit einigen Leuten geschickt, so dass ich diesen Service eigentlich erst einmal aufrecht erhalten muss. Ich nenne es: Die Truman show.

An dieser Stelle befand sich für drei Wochen der Live-Stream zu den Katzen-Babys. Nun ist er offline.

Nachruf

Am gestrigen Donnerstag ist die letzte Katze des Wurfes verstorben. Die Geburt der Kleinen stand von Anfang an unter keinem guten Stern, da niemand von uns darauf vorbereitet war. Als die Mutter zehn Tage nach der Geburt unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb, war das der erste herbe Rückschlag. Von nun an mussten wir die Katzenbabys also von Hand aufziehen. Die kleinen nahmen das Fläschchen an und gewöhnten sich schnell daran, das sich Menschen alle zwei Stunden um sie kümmerten und nicht die Mutter. Es war eine wirklich anstrengende Zeit, da es etwas Planung erforderte, dass immer jemand vor Ort ist oder zumindest die Fütterung aslle zwei bis drei Stunden (auch Nachts) gewährleistet ist.

Mit einer Woche Abstand zu den Geschwistern öffnete auch das letzte Baby schließlich seine Augen und konnte einen von nun an bei jeder Fütterung mit großen Augen anstarren. Wenn sie einem direkt in die Augen blickten, konnte man kaputt gehen so süß wie die kleinen waren.

In der letzten Woche war der bisherige Karton dann nicht mehr genug und der älteste büchste immer häufiger zusammen mit seiner Schwester aus um das Zimmer zu erkunden. Eines Abends kamen wir wieder nach Hause, als das große getigerte Kätzchen auf dem Sofa saß und miaute, weil es uns durch die Haustür rein kommen hörte. Ich kam in den Raum und brachte ihn zurück in den Karton. Dann bemerkte ich, dass die Schwester auch ausgebüchst war und auf dem Sofa lag. Sie war aber still. Sofort bemerkte ich, dass sie ihren Kopf zwischen der Sofa-Lehne und dem Beistelltisch eingeklemmt hatte. Ich half ihr heraus um direkt festzustellen, dass sie dort schon länger gelegen haben muss und bereits tot war. Das kam für uns alle sehr überraschend.

Keine Woche später kam mein Mitbewohner Mittags nach hause um die Kleinen zu füttern. Als er an den Karton heran trat, bemerkte er, dass das getigerte Kätzchen schwer atmete. Er entschloss sich, mit ihm zum Tierarzt zu fahren. Auf dem Weg dort hin, ist der kleine dann gestorben. Leider wissen wir nicht, was die Ursache war.

Und nur einen Tag später kochte ich in der Küche. Das letzte und schwächste der Kätzchen hatte nun keine Geschwister mehr. Darum waren wir uns einig, dass er besonders viel Aufmerksamkeit bekommen musste. In einem Moment einer typischen Unachtsamkeit legte ich den eingewickelten Jungen für einen kurzen Augenblick auf die Bank um mich der Pfanne auf dem Herd zuzuwenden. Plötzlich hörte ich ein stumpfes Aufprallen. Der Kleine war gelaufen und dabei von der Bank gefallen. Zuerst schien alles in Ordnung zu sein. Wir nahmen ihn auf den Arm um ihn zu beruhigen, was auch schnell funktionierte. In den folgenden Stunden bemerkten wir aber, dass er seine vorderen Pfoten nicht mehr korrekt bewegen konnte. Ich dachte mir, dass er sich vielleicht einen Arm gebrochen hätte oder bei dem Sturz auf den Kopf gefallen war und einen Hirnschaden hätte. Abgesehen von den Vorderpfoten wirkte er aber noch immer gefasst zu sein. Er war nicht sonderlich laut und er freute sich immer, wenn man ihn in einem warmen Tuch eingewickelt auf die Brust legte. Die Nacht verbrachte er sogar nicht in der Kiste, sondern in einem echten Bett. Im Laufe des Tages fuhr ich dann aber mit dem kleinen zum Tierarzt (übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass ich bei einem Tierarzt war). Der Kleine schlief auf der Fahrt dort hin. Hin und wieder öffnete er mal die Augen, sah mich an und ich streichelte ihn worauf hin er schnurrte. Die Tierärztin röntgte das Kätzchen, während ich im Wartezimmer Platz nahm. Als ich den Behandlungsraum wieder betrat, war der Bruch bei dem kleinen ganz offensichtlich zu sehen: Er hatte sich nicht einen seiner Arme gebrochen, vielmehr war es das gesamte Genick einschließlich einiger Rippen. Mir war sofort klar, was das bedeuten würde. Trotzdem sagte ich der Ärztin, dass ich den Kleinen mit nach Hause nehmen wolle, um ihm ein paar schöne letzte Tage zu machen. Verständnisvoll aber auch sehr bestimmt entgegnete sie mir, dass sie mir das Tier nicht wieder mit geben werde. Es sei reine Quälerei, was gut nachvollziehbar war. Mit gebrochenem Rückgrat lebt es sich halt nicht so gut. Sie teilte mir mit, dass sie ihm nun eine Spritze geben würde, damit er einschläft und anschließend eine weitere, die ihn dann letztendlich “erlösen” würde. Ich nahm ihr den Kleinen aus der Hand und legte ihn ein letztes mal auf meine Brust während sie die Spritzen vorbereitete. Ich redete mit dem Kleinen, was man halt in solch einem Moment so macht. Ich kann ganz offen sagen, dass ich weinte, als ich ihn erhob und auf seine Decke legte. Er bekam eine Spritze, was er auch bemerkte, aber vergleichsweise gelassen hin nahm. Die Ärztin verließ den Raum, da der kleine nun langsam einschlafen würde und ich mich noch von ihm verabschieden könnte. Das tat ich auch. Ich sprach zu ihm und sah, wie er immer langsamer atmete bis er schlief. Auch wenn ich kein Arzt bin, hatte ich bemerkt, dass die erste Spritze bereits für Herzaussetzer bei dem Kleine ngesorgt hatte. Wenige Sekunden bevor die Ärztin rein kam, öffnete er noch einmal die Augen und miaute ein letztes mal. Der Ärztin schien es leid zu tun, dass der kleine anscheinend Herzaussetzer hatte und beilte sich mit der zweiten Spritze. Dann war alles vorbei.

Es war ein komisches Gefühl, mit einem Lebenden Tier zum Arzt zu gehen und mit einem Toten wieder zu gehen, dafür aber dann auch Geld bezahlt zu haben. Aber trotzdem war es das auf jeden Fall Wert, da der kleine sonst nur noch weiter unnötig gelitten hätte.

Nun sind also knapp fünf Wochen vergangen und wir haben vier Katzen verloren. Das ist echt eines der Traurigsten Dinge, die ich erlebt habe. Vielleicht denke ich das (aktuell) aber auch nur, weil ich befangen und zeitlich noch zu nah dran bin.

Die letzte unserer Katzen ist nun übrigens vielleicht auch schwanger. Hoffentlich läuft es bei dem Wurf (sollte er kommen) besser.