Erste Hilfe

Autor: Marius Timmer

In Deutschland muss jeder Mann und jede Frau den Erste Hilfe Kurs besuchen um einen Führerschein zu bekommen. Dementsprechend habe auch ich diesen Kurs absolviert. Da ich den Führerschein aber schon seit neun Jahren habe und den Kurs damals in der zehnten Schulklasse bekommen habe, könnte man sagen, dass das ein oder andere etwas eingerostet ist. Das wurde mir letzte Woche noch einmal auf dramatische Art und Weise bewusst.

An unserer Wohnung läuft ein Fußweg am Bach entlang, wo sehr viele Leute spatzieren oder mit dem Hung gassi gehen. Fast minütlich laufen dort Leute entlang und gucken über den Zaun in das Haus, was oft wirklich sehr nervig ist.

In der vergangenen Woche sahen wir eine schneeweiße Katze aus unserem Vorgarten, der wir hinterher sahen. Und plötzlich sah mein Mitbewohner in knapp 100 Metern entfernung einen Mann mit dem Gesicht nach unten auf dem Fußweg liegen. Schlagartig sprang er auf und rannte zu dem Mann. Im rennen rief er mir hinterher, dass ich einen Krankenwagen rufen solle, was ich auch sofort machte.

Schon im Kindergarten lernt man die Nummer 112 kennen. Ich erinnere mich noch, dass uns beigebracht wurde, die grundlegenden W-Fragen zu beantworten: Wo ist was wie passiert? Als ich mich nun aber in dieser Situation befand, merkte ich, dass sich entweder einiges geändert hat, oder ich mich einfach nicht mehr ganz erinnern kann. Der Mann am Telefon fragte mich direkt, wo der Notfall passiert sei. Damit brachte er mich schon völlig aus dem Konzept, weil ich ihm (wieso auch immer) direkt alle Informationen zuschieben wollte. Das resultierte aber wohl darin, dass ich vermutlich zusammenhanglose Dinge brabbelte und ziemlich verwirrt klang. Am Ende war das nur halb so schlimm, schließlich haben die Leute von der Notrufnummer Erfahrung mit solchen Leuten wie mir und wissen genau wie damit umzugehen ist.

Das Gespräch dauerte keine zwei Minuten. Allerdings brauchte der Krankenwagen eine Viertelstunde bis zu uns. Das ist wohl der Preis den man zahlt, wenn man in einem kleinen Dorf wohnt. Glücklicherweise war der Mann auf dem Boden mehr oder weniger ansprechbar. Es fiel ihm merklich schwer zu antworten, aber er war bei Bewusstsein. Nachdem klar war, dass die stabile Seitenlage nicht nötig war, holten wir dem Mann eine Jacke, damit er nicht direkt auf dem harten Boden liegen musste. Leider wissen wir nicht genau, wie lange er dort schon so lag. Es kann aber nicht länger als fünf Minuten gewesen sein, weil dafür einfach zu viel los ist an dem Fußweg. Trotzdem war kühlte er recht schnell aus, weswegen wir noch eine Rettungsdecke aus dem Auto holten. Zu seinem Glück kam auch zufällig der Arzt des Dorfes mit seinem Hund vorbei, der sich auch um den Mann kümmerte. Am Ende traf der Krankenwagen endlich ein und machte dem ganzen Geschehen (zumindest für uns) ein Ende.

Wirklich erschrocken bin ich noch immer von dem Telefonat. Wenn ich also das nächste mal den Notarzt rufe, weiß ich, dass es etwas anders ablaufen wird, wie ich es vielleicht früher gelernt habe, aber am besten einfach den Mund halte und einfach die Fragen der Leitstelle am anderen Ende beantworte. Hoffentlich wird es aber nicht so schnell nötig sein, noch einmal dort anzurufen.